Dampf-Binnen-Eisbrecher SAMLAND

1907 bis 2008

begleiten Sie uns durch 100 Jahre bis ins Jahr 2008


1907 Baujahr und Stapellauf

 

Werft Dresden-Uebigau, Baunummer 969

 

Auftraggeber Portland Cementfabrik Rüdersdorf, bestellt und gebaut als Dampfschiff, Eisbrecher, Schlepper, Bugsierer

 

Als universell und ganzjährig einsetzbares Arbeitsschiff für die Portland Cementfabrik nach derzeit vorliegenden Informationen bis zum Ende des zweiten Weltkriegs in Dienst.

 

 

Foto ca. 1935 BÄR-CEMENT oberhalb der Woltersdorfer Schleuse  (D)

 

Ende der dreissiger Jahre: Ausbau der Dampfmaschine samt Kessel und Kohlebunker. Einbau eines Zweizylinder Glühkopfdiesels.

 

Die Füllschächte für die Kohlen sind bis heute an Deck sichtbar. Die Trägerschienen für den Dampfkessel sind ebenfalls noch im Rumpf vorhanden. 

 

Fast unbeschadet fährt das Schiff durch zwei Weltkriege für die Rüdersdorfer Cementfabrik. Allerdings zeugen zwei Granaten-Einschusslöcher im vorderen Schanzkleid von schlimmen Zeiten. Wir haben sie als "Zeitzeugen" und Mahnung bis heute erhalten.

Nach 1945

Fluchtfahrzeug über eine damals noch offene Grenze vom sowjetisch besetzten Ostsektor Berlins in einen der Westsektoren.

 

Um 1950

Übernahme durch ein Berliner Tauch- und Bergungsunternehmen. Umbenennung der BÄR-CEMENT in SAMLAND.

 

Umbau des Schiffs zum Munitionsbergungsschiff.

 

Rumpfverlängerung um ca. 1,5 m, Heckverbreiterung,

Aufbau eines heckseitigen Schlepp-Krans mit vier beinahe mannsgroßen Elektromagneten, die abgesenkt werden konnten, um so nicht detonierte Bomben und Minen in Berliner Gewässern und Kanälen zu finden und zu heben.  

 

Verstärkung des genieteten Rumpfes im gesamten Unterwasserschiff mit ca. 1 cm starken Stahlplatten.

 

1966

Ausbau des Zweizylinder Glühkopfdiesels, da dieser mit ca. 80 PS zu schwach für die Schlepparbeiten war.

 

Einbau Mercedes Benz Lastwagenmotor OM 346 als marinisierte (wassergekühlte) Version in Abstimmung mit einem Reintjes Getriebe. 6-Zylinder Reihe, Einspritzer, 11 L Hubraum ca.  160 PS.

 

Dieser Motor treibt die SAMLAND bis heute an und wurde optisch und technisch sehr aufwändig generalsaniert.

Auf der Suche nach der Mordwaffe - Tagesspiegel, vom 25. Januar 1962

Bombenfunde und deren Bergung.

 

 

Tatsächlich war diese Arbeit als Munitionsbergungsschiff eine lebensgefährliche Arbeit für Mannschaft und Schiff.

 

Die gefundenen Sprengkörper wurden am Achterdeck gesammelt, zu einer Speicherhalle mit Schuppen und Schutzmäuerchen an einem Kanalufer mitten in Berlin gebracht und mehr oder weniger kontrolliert gesprengt. Eine Vorgehensweise, die heute undenkbar wäre.

 

Unter anderem findet die SAMLAND im Laufe der Recherche zu einem Berliner Mordprozess 1962 sogar die Mordwaffe, die mit den Elektromagneten geborgen werden kann. Der Täter wird zu lebenslänglicher Haft verurteilt und sitzt heute noch ein.  

 

Die SAMLAND wird, nachdem das Tauch- und Bergungsunternehmen aufgelöst wurde, an einem Schrotthändler  verkauft und sollte im Jahr 1983 endgültig abgewrackt und verschrottet werden.

 

Der damalige Eigner entscheidet letztendlich jedoch anders und rettet für  den alten Eisbrecher damit eine nicht im entferntesten ahnbare Zukunft. Er erhält das Schiff, wohnt sogar darauf.

 

Ab ca. 1990 bis 2008 geht die SAMLAND durch viele Hände und wird heruntergewirtschaftet. Eine optische und/oder technische Generalsanierung erscheint sowohl vom persönlichen Einsatz, als auch seitens des finanziellen Aufwands völlig aussichtslos.  

2008 - Foto: Kaufzustand

Kauf der SAMLAND in Plaue (Brandenburg)

 

Überstellung des Schiffs auf eigenem Kiel von Plaue (D) nach Korneuburg (A), standesgemäß wie es sich für einen Eisbrecher gehört im Februar bei Schneetreiben, Eis und Sturm.

 

Fahrtdauer: 22 Tage ohne Heizung, Warmwasser, mit defekter Positionsbeleuchtung, ohne Navigationsausstattung, mit Fahrradhupe als Signalhorn und lockerer Welle (von 32 Muttern sind nur mehr vier Stück fest)

 

Diesel wird in Kanistern zum Schiff gebracht. Das Tankvolumen ist damals begrenzt auf ca. 200 Liter. (heute: ca. 3.000 L)

    

Das Schiff fährt lediglich auf 5 Zylindern. In Zylinder Nr. 6 finden wir bei der Generalsanierung des Motors einen ca. 1 qm großen öligen Putzlappen.